Von der Kunst, einen Sitzplatz zu buchen

Wenn man sich im Online-Buchungssystem der Bahn ein wenig auskennt, weiss man, dass es einfach ist, einen Sitzplatz zu buchen. Man kann seine Vorlieben eingeben, ob am Fenster oder am Gang, ob im Raucher (igitt) oder im Nichtraucher (ja bitte), ob Handyzone oder Ruhebereich, all das kann man angeben. Aber man kann nicht angeben, welchen Wagen oder gar welchen konkreten Sitzplatz man haben möchte. Genau das aber wollte ich. Das möchte ich eigentlich immer, denn ich habe meine Präferenzen. Da bin ich eigen. Aber die telefonische Hotline, die sollte mir doch helfen können.

Dachte ich.

Als ich dort anrief, fiel mir auf, dass die Frau am anderen Ende der Leitung, genau die Dinge abfragte, die das Buchungssystem im Internet auch wissen möchte. Als wir zur Sitzplatzreservierung kamen, erläuterte sie mir, dass sie mir leider keinen konkreten Sitzplatz zusagen kann, und ich weiss sehr gut, dass die Mitarbeiter im Reisezentrum die Möglichkeit haben, dies nachzusehen. Ich habe so meine Lieblingsplätze im ICE 3 z.B. direkt hinterm Lokführer und auf einem Einzelplatz, da habe ich nämlich meine Ruhe und nicht so viel Durchgangsverkehr, ausserdem kann ich da ab und an mal nach vorne linsen.

Aber auch sonst sitze ich gerne vorne. Oder halt hinten, wenn man durch Frankfurt oder andere Kopfbahnhöfe durch ist, ist das ja meistens vorbei mit dem vorne sitzen. Ein Greuel ist mir der wunderbare Wagen 9, durch den alle Welt durch rennt, mit Bier, Kaffee, laut schnatternd und sich rücksichtslos benehmend, und ich finde, wenn man schon nachts, was ich in diesem Fall vorhabe, quer durch Deutschland gondelt, dann darf man sich seinen Sitzplatz schon aussuchen.

Die Dame am Telefon wollte oder konnte mir also nicht helfen. So kam ich also auch nicht weiter. Einen weiteren Anruf sparte ich mir, da die Anrufe dort kostenpflichtig sind und ich sowieso einige Tage später in diversen Reisezentren sein würde und dann eben vor Ort nachfragen würde.

Da ging der Spass dann erst richtig los.

Dass man in den Reisezentren jetzt Nummern ziehen muss, ist mir vor einiger Zeit schon ein wenig unangenehm aufgefallen. Irgendwie kommt mir das vor, als ginge es zumindest in dem Bereich der Bahn zurück zum Staatsbetrieb, und ich hatte auch nicht den Eindruck, als ginge das jetzt schneller, aber ich gebe zu, dass es auch sein kann, dass sich mir der tiefere Sinn des Nummernziehens einfach nicht erschliessen mag.

Als ich an der Reihe war, schilderte ich mein Anliegen und die Dame am Schalter sah mich verständnislos an. Es war ihr offenbar nicht möglich, mir meinen Wunschplatz zu buchen, ja, sie behauptete sogar, es sei nicht einmal möglich, eine Platzreservierung auszustellen, ohne zuvor ein Ticket verkauft zu haben (der grösste Blödsinn, den ich je gehört habe). Da ich aber nicht mit ihr diskutieren, sondern meinen Zug erwischen wollte, ging ich schmunzelnd und versuchte es ein paar Stunden später im Reisezentrum in Hannover noch einmal.

Beim ersten Mitarbeiter dort hatte ich wieder kein Glück, er sagte sofort, dies sei aufgrund des Programmes, dass die Mitarbeiter zur Verfügung haben, nicht möglich, man könne die Wagenreihung nicht einsehen und schon gar nicht die Platznummern. Ich habe ihm und mir und mir erspart, ihn darauf hinzuweisen, dass jeder durchschnittlich begabte Mensch in der Lage ist, sich die Wagenreihung und die Aufteilung der Plätze der ICE-Baureihen im Internet anzusehen und stellte mich ein weiteres Mal an. Auch der zweite Mitarbeiter wies mich lächelnd und ohne seinen PC überhaupt angefasst zu haben ab. Allmählich wurde ich säuerlich, denn ich weiss, dass es geht. Nur online geht es eben nicht. Muss es auch nicht, das Onlinesystem muss für alle Menschen bedienbar sein, aber ich erwarte, dass meine Wünsche im Reisezentrum erfüllt werden (so als jahrelanger BahnCard First-Inhaber).

Doch ich hatte noch Zeit für eine dritte Runde. Und siehe da, der dritte Mitarbeiter schaute in seinen PC, fragte mich konkret, ob ich bestimmte Wünsche hätte oder gar eine konkrete Platznummer und buchte diese für mich ein. Das ganze hat keine drei Minuten gedauert, da hatte ich meine Platzreservierung in der Hand.

Geht doch.
Dauert nur manchmal
Guter Service dauert eben.

;-)

(Ich werde nur so ungern für doof verkauft vorher.)

~ von A_of_D am 18. November 2009.

Eine Antwort to “Von der Kunst, einen Sitzplatz zu buchen”

  1. Ich wusste bis dato nicht, dass das geht. Nun ja, ich reise auch nicht soviel mit der Bahn. Aber es ist wohl interessant zu wissen.

    LG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

 
Follow

Get every new post delivered to your Inbox.