Zwischenlösung beendet

•21. Juni 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Hier geht es weiter: http://blog.fraukaleu.de

Update

•17. März 2010 • 1 Kommentar

Der Lokführer hat sich gemeldet. Schon vor geraumer Zeit, ich kam bisher noch nicht dazu, das hier zu veröffentlichen, und natürlich wollte ich den Brief, den er uns allen schrieb, auch erst im Freundeskreis besprechen und herumgeben.

Auch heute schaffe ich es rein zeitlich noch nicht, den genauen Wortlaut hier zu veröffentlichen, aber wir haben die ausdrückliche Genehmigung des jungen Mannes, der auf eine so irre Art und Weise vom Tod unseres Freundes K. mitbetroffen ist, seine Worte und Gedanken hier in die Öffentlichkeit zu tragen. Sobald meine Zeit und Nerven es zulassen, werde ich den Weitergang der Ereignisse hier zusammenfassen; und auch ein Update unserer Verarbeitung der Umstände und der Situation online stellen. Es gibt Pläne. Ob sie gross und wichtig sind, ist die zweite Frage, aber in erster Linie helfen diese Pläne uns, mit der Situation umzugehen.

Lieber Lokführer,…

•27. Januar 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

am Wochenende hatte ich die Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft Osnabrück in der Post. Natürlich die Kopie davon, aber dafür, dass die so einen Wirbel darum gemacht haben, dass wir ja dieses und jenes nicht sehen sollten, haben sie sich wenig Mühe gemacht. Und mein Anwalt hat das Ding ungeschönt an mich weitergegeben, so, wie ich ihn darum gebeten habe.

Ich gebe zu: Das war harter, sehr, sehr harter Tobak, und ich gebe zu, dass ich das wirklich werde verdauen müssen. Aber ich habe es wissen wollen, weil ich auch wissen wollte, wie Sie jetzt damit umgehen müssen. Und wie Sie leiden. Und ob Sie leiden. Ich weiss jetzt, dass Sie in unserem Alter sind, nein, Sie sind sogar etwas jünger als die meisten von uns. Gerade 30 Jahre alt geworden.

In der Akte war nichts entfernt, nichts geschwärzt, ausser Ihrem Namen und Ihrer Adresse, was ich verstehe. Ja, okay, Ihre Dienststelle und solche Daten, die konnte ich auch nicht sehen. Aber ich konnte Ihre Aussage lesen. Und ich habe gelesen, dass Sie einen Nervenzusammenbruch erlitten haben und mit dem Rettungswagen in eine Klinik zur Versorgung gebracht werden mussten. Dass Sie jetzt wohl einen längeren stationären Aufenthalt vor sich haben. Dass es Sie richtig erwischt hat. Ich kann das verstehen. Ich habe die Bilder vom Unfallort gesehen, von der hell erleuchteten Unfallstelle, denn unser Freund hat sich nachts das Leben genommen, in den frühen Morgenstunden des 7. Januar.

Ich habe das viele Blut an Ihrer Lok gesehen. Ich habe den Toten gesehen. Das, was ich auf den Fotos angesehen habe, war „der Tote“. Nicht mehr unser Freund K. Es war das, was von ihm übrig war. Ein Kommentator in diesem Weblog schrieb, Güterzüge fahren nicht so schnell, aber es hat gereicht, um K. vollkommen zu entstellen. Ein grausiger Anblick, und laut Ihrer Aussage fühlen Sie sich dafür verantwortlich. Sie sind es nicht. Ich wünschte, ich könnte es Ihnen ins Gesicht sagen. Sie sind nicht verantwortlich für das, was passiert ist. K. ist selbst verantwortlich, er hat den Freitod gewählt, er hat Sie zu seinem Erfüllungsgehilfen gemacht. Und das nehmen wir alle ihm sehr übel.

Zu gerne würde ich Ihnen sagen, dass alles wieder gut wird. Aber das kann ich nicht. Wir können das, was geschehen ist, nicht wieder rückgängig machen, auch wenn wir das gerne würden. Wir alle wünschen Ihnen, dass Sie Rat und Hilfe in Ihrer Verzweiflung finden, und neuen Lebensmut. Wir würden alle hier gerne einen Beitrag dazu leisten, auch wenn wir nicht wissen, wie dieser aussehen könnte. Diese Untätigkeit macht uns wahnsinnig. In der vergangenen Woche haben wir für unseren Freund eine Trauerfeier ausgerichtet, und am kommenden Samstag werden wir seine Urne beisetzen. Dann sind alle Dinge getan und zurückbleibt die eigene Seelenarbeit. Lange genug haben wir uns darum herum gedrückt.

Möge Ihnen die Kraft gegeben sein, sich durch diese Arbeit hindurch zu kämpfen. Und sie mit Erfolg zu überwinden. Wir wünschen es Ihnen, von Herzen, dessen können Sie sich sicher sein. Ich werde diesen Text an die Staatsanwaltschaft schicken und darauf hoffen, dass diese ihn an Sie weitersendet. Wenn nicht, dann war es den Versuch wenigstens wert. Unsere Gedanken sind auch bei Ihnen, darauf können Sie sich verlassen.

Ok, Deal, liebe Bahn!

•25. Januar 2010 • 1 Kommentar

Something completely different. Zwischenruf in Sachen Haiti.

Weil alle Welt von Haiti spricht, spreche ich - because mainstream is basic - auch mal davon. Hat auch was mit der Bahn zu tun.

Ich werde auch für Haiti spenden.

Für jeden Zug, den ich diese Woche benutze und der pünktlich ist, spende ich 10 Euro.

Es sind diese Woche 17 Züge. Pünktlich ist alles unter 10 Minuten Delay, das wäre ja sonst irgendwie doof.

Macht im günstigsten Fall also 170 Euro – und die runde ich dann entsprechend auf. Und zwar aus meiner Privatkasse, versteht sich von selbst. Zuleiten werde ich das Geld der für mich „zuständigen“ Kirchengemeinde, die direkten Kontakt zu einem Menschen vor Ort unterhält und daher keinen Aufwand für Verwaltung etc. hat, damit möglichst viel davon da unten ankommt.

Natürlich ist das nicht allzu viel Geld, aber vielleicht ist es ein Anfang.

Für die Akten:

25.01.2010: 3 Züge benutzt, alle pünktlich – 30 Euro in die Kasse, Stand: 30 Euro

26.01.2010: 3 Züge benutzt, alle pünktlich – 30 Euro in die Kasse, Stand: 60 Euro

27.01-2010: 6 Züge benutzt, alle fast pünktlich (das war haarscharf, liebe Bahn): 60 Euro in die Kasse, Stand: 120 Euro

28.01.2010: 3 Züge benutzt, alle faaaast pünktlich (Auge zugedrückt!): 30 Euro in die Kasse, Stand: 150 Euro

29.01.2010: keinen Zug benutzt, aber das war meine Privatangelenheit, darum: 20 Euro in die Kasse, Endstand: 170 Euro

Nur Worte

•18. Januar 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Stand der Dinge – Schie.Nen.Sui.Zid, wie es weiterging

•17. Januar 2010 • 2 Kommentare

Hinter uns allen liegt eine seltsame, eine nervenaufreibende, eine seltsame Woche, merkwürdige zehn Tage, in denen wir uns so manches Mal gefragt haben, was wir da eigentlich machen, ob wir im richtigen, oder vielleicht doch im falschen Film stecken, und wir alle wieder viel über das Leben gelernt, und wie man mit ihm umgeht. Dass mir persönlich das jetzt so wirklich geschmeckt hätte, kann ich nicht behaupten, das ist nicht Teil des Problems gewesen, dem wir uns zu stellen hatten.

Wie ich in meinem letzten, noch sehr hilflosen Posting beschrieb, haben wir mittels eines Anwalts Kontakt zur zuständigen Staatsanwaltschaft aufgenommen, um darüber Einsicht in die Ermittlungsakte zu bekommen. Nachdem ich mit diesem (meinem) Anwalt länger gesprochen habe, waren wir uns eigentlich einig, dass es nicht sehr lange dauern dürfte, diese Akte zu bekommen, da es sich ja unseres Wissensstandes nach um einen Suizid handele, und dieser müsste ja recht schnell durchermittelt sein. Das Wort „eigentlich“ ist eines, welches ich im Verlauf der letzten Tage noch sehr häufig gebraucht habe.

Natürlich handelte es sich um einen klaren Selbstmord unseres Freundes, aber natürlich haben wir die Akte bis heute nicht in Gänze vorliegen. Wir wissen also nicht nicht, wo genau K. den Tod gewählt hat. Mittlerweile spricht keiner von uns mehr davon, dass er den Tod gefunden hat, denn das hat er nicht, er hat ihn gewählt. Und unser aller Gefühlslage darüber spielt auf einer breiten Klaviatur, die von Wut bis Verzweiflung reicht, und in mannigfaltiger Schattierung zum Teil stündlich wechselt, bei jedem von uns.

Im Grunde genommen ist es irrelevant, alle Details zu wissen, doch wenn ich von mir selbst ausgehe, dann würde es mir helfen. Eine Realisation in Verbindung mit einer stringenten Klarsicht und Visualisierung würde die furchtbaren Alpträume aus meinem Kopf verbannen, aus unseren Köpfen. Ein definitives Wissen um den Ort seines Todes wäre schlimm, würde aber schneller an Schrecken verlieren, als man gemeinhin annimmt. Ich weiss das aus der allerjüngsten Erfahrung. Wann immer wir alle miteinander sprechen, besprechen wir auch die grauenhaften Bilder, die sich in unseren Köpfen formieren, wenn wir daran denken, wie ein Mensch, in diesem Fall einer unserer besten Freunde, vor einer Lok in Blut, Muskelmasse und Knochen zerspringt. Atomisiert. Oder auch eben nicht. All das wissen wir eben nicht. Und eines ist klar: Die Ungewißheit sorgt für Bilder, die immer schlimmer sind, als die Realität. Auch wenn diese grausam ist und mit menschlichen Worten kaum beschreibbar.

In meinen nächtlichen Halbschlaf mischten sich in den letzten Tagen immer wieder Bilder von Feuerwehrmännern, die mit Reinigungsschaum die Lok reinigten von Blut und Gewebemassen, von Rettungskräften auf den Schienen, die statt Infusionsbeuteln und Isolationsfolie nur noch mit Abfallsäcken und Eimern daherkamen, und wenn ich davon erwachte, war mir regelmässig so schlecht, dass an ein Weiterschlafen nicht mehr zu denken war. Mir wäre ein Foto vom Unfallort tausendfach lieber gewesen als eine nicht abzuschaltende, marodierende Seele, die keine Ruhe mehr gibt.

Uns allen ging es so. Selbst unserem zur Zeit in Afghanistan stationierten Freund, der sicherlich auch andere Bilder parat hat und seinem Kurzzeitgedächtnis bei Bedarf anderes abrufen kann als einen Schienentoten.

Doch es gab für uns keine Fotos und keine Akte. Was es jedoch gab, war nach langem Ringen und Bitten und Betteln und Zusagen, dass wir die Kosten für alles übernehmen, was an Kosten entstehen würde, endlich das Zugeständnis der Staatsanwaltschaft, dass wir oder in dem Falle ich, eine Auskunft bekomme. Dafür musste ich aber unterschreiben, dass wir unseren Freund beisetzen würden, dass wir dafür keinerlei öffentliche Anträge für Sozialbegräbnisse etc. stellen würden und so weiter und so fort. Aber das hatten wir zu keinem Zeitpunkt geplant. So verbrachten wir alle Stunde um Stunde an Telefonen und vor Faxgeräten, denn das ist ja Mode bei Behörden, dass eMails nicht anerkannt werden und dass man alles immer mit Durchschlag, in dreifacher Kopie und so weiter zur Verfügung stellen musste. Immer schön alles an den Anwalt weiterschicken, der dann als Person von Rang und Würde vorstellig wurde und dann doch noch wieder eine Originalunterschrift von mir benötigte – es nahm und nahm kein Ende.

Am Freitag erfuhr ich dann am Telefon, dass „die Leiche jetzt mir gehört“. Ein schöner Satz, den man nur zu gerne hört, wenn man mit einem Rechtspfleger telefoniert, der seinen Job nach Vorschrift macht, der Stimmlage nach zu urteilen nur wenige Jahre vor der Pensionierung. Und während er das sagt, stempelt er irgend ein Formular. Ich kann es am anderen Ende hören. „Schönen Dank auch“, sage ich nur und lege auf. Die Leiche – K. – gehört nun also mir. Uns. Oder was von ihm übrig ist.

Schon am Anfang der Woche haben wir „den Bestatter meines Vertrauens“ in Kenntnis gesetzt über die Umstände. Obwohl wir noch keinen Leichnam hatten, den wir ihm zur vertrauensvollen Behandlung übergeben konnten, konnten wir immerhin schon besprechen, was wir uns dachten und was in K.’s Sinne gewesen sein könnte. Aber auch das konnten wir nur ahnen. Nach endlosen Telefonaten, die wir miteinander im laufenden Tagesgeschäften zwischen Zugfahrten, Flügen, Besprechungen, im Messenger oder wie auch immer führten, haben wir irgendwie eine Linie hinbekommen. Und am Samstag, also gestern, mit dem Bestatter, auch alles ausarbeiten können.

K. war kein sonderlich kirchlicher, wenn auch gläubiger Mensch. Darum haben wir darauf verzichtet, einen Pastor für die Gestaltung der Trauerfeier dazu zu bitten, und auch einen Trauerredner wollten wir nicht dabei haben. Wir sind der Meinung, dass kein externer Redner das in Worte fassen kann, was wir hören wollen. Und irgendwie ist so eine Trauerrede immer wie ein eiskalter Abgesang auf das Leben und auf den Tod und das Vergangene. Und nee, das passt so gar nicht zu K. Wir machen alles selbst. Und alles spontan. Mit Musik und Worten, die sich jeder von uns heute abend noch ganz spontan überlegt. Alles, was uns in den Sinn kommt, wollen wir K. mit auf den Weg geben.

K.’s Urne wird in einigen Tagen hier in Bremerhaven beigesetzt werden. Morgen ist seine Trauerfeier. Wir sind einen kleinen Schritt weiter. Wir dürfen ihn beerdigen.

Aber wir wissen noch nicht, warum er das getan hat. Wir wissen nicht, wo er das getan hat. Es hat eine Reihe von Fehlinformationen gegeben. Es war kein Regionalzug, wie wir einige Tage lang glaubten, sondern ein Güterzug. Vielleicht ist es für Aussenstehende nicht nachzuvollziehen, warum wir so sehr auf diese ganzen Details warten. Es hilft so sehr, zu wissen, wann alles geschah und wie es geschah, weil das Wissen um Zeitpunkt und Ort beim Verarbeiten hilft.

Facing the facts. Anschauen, ansehen, realisieren, be-greifen. Immer wieder. Der Weg ist dort, wo der Schmerz ist.

Wir alle denken sehr, sehr oft an den Lokführer. Wir würden ihm gerne etwas sagen. Dass ihn keine Schuld trifft, dass er nur der verlängerte Arm des Willens eines verzweifelten Menschens war, den nicht einmal seine engsten Freunde davon abhalten konnten, sich nichts anzutun, obwohl wir uns darum bemüht haben. Ganz oft kommen bei uns Versagensgefühle hoch. Und insbesondere bei mir regt sich jedes Mal, wenn ich meinen Fuss wieder in einen Zug setze, ein Unwohlsein besonderer Art. Wir wissen, dass man einen entschlossenen Selbstmörder nicht davon abhalten kann, sich etwas anzutun. Wir wissen auch, dass der Schienensuizid eine der sichersten Methoden ist, sich das Leben zu nehmen. Entgegen landläufiger Meinung ist das nämlich mit Schlaftabletten und allem anderen Quatsch gar nicht so einfach.

Es ist wie es ist: Wir stehen hier und wissen nicht weiter. Wir haben versucht, K. auch über den Tod ein guter Freund zu sein und morgen ist seine Trauerfeier, die wir sich auch irgendwie überstehen werden. Aber das war alles so technisch. Für das Gefühlsleben haben wir bisher alle nichts tun können, ausser zusammen am Telefon weinen, oder, wie jetzt am Wochenende, gemeinsam. Arm in Arm. So, wie ich das jetzt überblicke, bleibt uns nur die gegenseitige Hilfe.

Freedom is just another word for nothin’ left to lose.

An dieser Stelle möchte ich für die wertvolle Hilfe ein wirklich grosses Dankeschön an Friedhelm Weidelich vom RAILoMOTIVE-Blog aussprechen für seine einfühlsamen Worte, die guten Gespräche und seinen Rat – auch am Wochenende.

Für K.

Schie.Nen.Sui.Zid

•8. Januar 2010 • 2 Kommentare

Vom Tod und den Leuten, die zurückbleiben

Alles, was ich jetzt gerade versuchen kann, ist, die Ereignisse chronologisch aufzuschreiben. Gestern, am 7. Januar 2010, stehe ich am frühen Nachmittag auf dem zugigen Bahnsteig in Halle an der Saale und warte auf meinen Zug zurück Richtung Hannover, nachdem ich einen Termin in Halle wahrgenommen und erledigt habe. Routinemässig habe ich mein Handy während des Meetings abgeschaltet und schalte es auf dem Bahnsteig wieder ein, um die eingegangenen Nachrichten abzuhören und habe neben den üblichen Anrufen die Bitte um einen Rückruf von einer Kripodienststelle auf dem Band. Ein Anlass wird mir nicht genannt, nur die Rufnummer dreimal wiederholt. Ich notiere sie mir notdürftig auf dem Handrücken und rufe zurück. Auf dem Bahnsteig ist es kalt und zum Glück ist mein Zug verspätet, so dass ich für den Anruf Zeit genug habe.

Der Dialog, den ich dort mit dem zuständigen Beamten führe, ist sehr merkwürdig und im Nachhinein absolut nervenzerfetzend, dies ist ein Gedächtnisprotokoll:

Ich: Guten Tag, mein Name ist XY, ich hatte Ihren Namen und Ihre Rufnummer auf meiner Mailbox, Sie baten mich um Rückruf.
$Kripobeamter: Das ist richtig, sind Sie Frau XY?
(Das sagte ich eben doch.)
Ich: Ja, das bin ich. Worum geht es denn?
$Kripobeamter: Kennen Sie einen Herrn ZZ?
Ich: Ja, den kenne ich, was ist denn mit ihm?
$Kripobeamter: Das kann ich Ihnen so noch nicht sagen, können Sie sich ausweisen?
(Wie denn das? Am Telefon??)
Ich: Wie denn?
$Kripobeamter: Können Sie mir das Geburtsdatum des Herrn ZZ nennen?
(Ach Du Schande, rasendes Überlegen.)
Ich: Ja, äh, 14.02.$Jahr
$Kripobeamter: Ja, das ist korrekt.
(Hab ich jetzt was gewonnen?)
Ich: Und was ist denn jetzt?
$Kripobeamter: Können Sie mir bitte auch den Geburtsort nennen?
(Himmel, ja, eigentlich schon, moment, grübel…)
Ich: Ähh, das müsste $Stadt sein.
$Kripobeamter: Ja, stimmt auch.
Ich (ungeduldig): Bitte, WAS ist denn jetzt mit ihm?
$Kripobeamter: In welchem Verhältnis stehen Sie zu Herrn ZZ?
Ich: Wir sind seit über 30 Jahren befreundet.
$Kripobeamter: Seit über 30 Jahren? Aber da waren Sie ja noch Kinder.
Ich: Ja, wir haben uns im Kindergarten kennengelernt, bitte, sagen Sie mir jetzt, was los ist?
$Kripobeamter: Ach so. Ja, sind Sie gerade alleine? Bzw. können Sie sich setzen irgendwo? Ich habe leider keine gute Nachricht für Sie.
Ich: …
$Kripobeamter: Herr ZZ ist heute morgen Opfer eines Suizidversuches geworden.
Ich: Wie bitte? Das heisst auf Deutsch, dass er tot ist?
$Kripobeamter: Ja, Herr ZZ ist verstorben.
Ich (mit aufkeimender Panik in der Stimme): Wann und wo ist das passiert?
$Kripobeamter: Herr ZZ hat sich vor einen Regionalzug geworfen und diesen Suizidversuch leider nicht überlebt.
Ich: Wo ist Herr ZZ denn jetzt und wo kann ich mehr erfahren, wo das passiert ist und wer kann mir Auskünfte geben, sind Sie mein Ansprechpartner?
$Kripobeamter: Wir sind überhaupt nicht Ihr Ansprechpartner, Sie sind meine Ansprechpartnerin, denn wir haben keine Namen von Angehörigen finden können bei Herrn ZZ, und Ihre Nummer haben wir aus seinem Handy, das war die einzige Nummer, die wir aus der SIM-Karte seines Handys noch sichtbar machen konnten.
Ich: Herr ZZ hat keine Angehörigen mehr. Es gibt keine Eltern. Keine Geschwister, können Sie mir jetzt bitte sagen, wo Herr ZZ ist und an wen ich mich wenden kann wegen der Bestattung und der Formalitäten?
$Kripobeamter: Nein, das kann ich nicht, dafür ist die Staatsanwaltschaft zuständig, ich wollte von Ihnen nur wissen, wo wir die Angehörigen finden, und wenn Sie sagen, es gibt keine, dann gebe ich das jetzt an die Staatsanwaltschaft weiter und die regeln dann alles Nötige.
Ich: Wer ist denn die zuständige Staatsanwaltschaft??
$Kripobeamter: Osnabrück. Auf Wiederhören. *klick*

Da stand ich. In Halle an der Saale und begriff nicht, was ich da eben gehört habe.

Ein paar Worte zu diesem einen Freund, um den es geht.

K. und ich kennen uns schon sehr, sehr lange. Wir haben uns zwischen diesen vielen Jahrzehnten aus den Augen verloren, für ein paar Jahre, aber wiedergefunden und in den letzten Jahren unser Leben wieder neu bereichert. Wir uns beide, unseren Freundeskreis, wir waren alle zusammen ein ganz gutes Team. Manchmal unschlagbar, oft kontrovers, immer vorwärtsdenkend, oft lustig, immer humorvoll, und immer ein Team. Dachten wir. Seit gestern mittag ist das anders. Dass es K. schlecht ging seit kurz vor Weihnachten, war kein Geheimnis, seit sich seine Freundin von ihm getrennt hatte. Wie immer in Krisen, sind wir alle wieder zusammengerückt, unsichtbar und unmerklich, irgendwie. Wir haben unmerklich unser Notfallprogramm angefahren und versucht, K. zu stützen. Angerufen, leise gefragt, manchmal ohne Worte. Sind vorbeigegangen, haben versucht, da zu sein. Oft wollte er es nicht, doch genauso oft kam ein Lächeln zurück zwischen dem tränengetrübten Blick. Gerne liess er sich ablenken, sich auf den Weihnachtsmarkt schleppen, wo wir uns einen auf die Nase gegossen haben, bis sie blau war. Haben ihn mitgenommen, hierhin und dorthin, manchmal ist er mit mir gefahren, hat sich einen Tag freigenommen, mich begleitet, oder jemand anderen, wenn er das wollte.

Auf meinen Reisen vor Weihnachten habe ich immer Wert darauf gelegt, dass ich abends wieder nach Hause kam, auch seinetwegen, damit ich da sein konnte, wenn irgendwas war. So wie er für mich da war, als ich vor einem Jahr meinen Mann verloren habe. Eine Hand wäscht die andere und dafür hat man Freunde. Das sind keine Heldentaten, so will ich das nicht verstanden haben. Aber ich verstehe das unter Freundschaft. So wie er das auch immer getan hat.

Es fing an zu schneien, als der Zug einfuhr und mir wurde eiskalt klar, dass es ein Zug war, vor dem K. seinen Tod gefunden hat, und das auch noch freiwillig. Die Lok, die auf dem Bahnsteig einfuhr, sah so gross, so monströs aus, und ich habe mich gefragt, was in diesen letzten Sekunden durch seinen Kopf gegangen sein muss. Und als nächstes dachte ich an den armen Lokführer. Der es nicht verhindern konnte und der jetzt darunter leiden wird. Das nächste, was ich spürte, als der Zug mit quietschenden Bremsen anhielt, war Wut. Wut auf K. Wut, weil er uns zurückliess und lauter unbeteiligte Menschen mitriss. Reisende, die Verspätungen einfuhren, und einen Lokführer, der vielleicht seines Lebens nicht mehr froh wird. Als ich in den Wagen kletterte, gaben mir die Beine nach, ich habe nicht begriffen, was ich gerade erfahren habe, was mir der Herr $Kripobeamter da so vor den Latz knallte.

Wie betäubt lief ich durch den Wagen, froh, einen Bereich zu finden, in dem um die Uhrzeit nicht viel los war, und ich liess mich auf den Sitz fallen. Was ist jetzt zu tun, fragte ich mich? Dann ging ich mein Telefonbuch durch und rief Freunde an. Wen ich erreichte, dem versuchte ich die Nachricht so schonend wie möglich beizubringen. Wen ich nicht erreichte, dem hinterliess ich keine Nachricht. Sowas kann man nicht auf die Anrufbeantworter sprechen. Schickte hilflose Tweets, weil ich das ja kaum den Mitreisenden im IC erzählen konnte. Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft keine Auskunft ohne Anwalt. Ich sei keine Angehörige, habe keine Befugnisse. Irgendwann gab der Akku meines Handys den Geist auf.

Draussen war viel Schnee. Vor meinen Augen liefen Filme ab. Filme aus Erinnerungen. Erinnerungen mit K. Wie wir feierten, oder traurig waren. Gemeinsam. Erinnere mich an seine Umarmung, als mein Mann starb. Sah ihn lachen, als wir irgendwann, im hohen Erwachsenenalter mal Kindergeburtstag spielten, und uns in Klopapier einwickelten. Dann kam der Zugbegleiter und riss mich aus meinen Gedanken, kontrollierte meine Karte und ging weiter. Ich sah mich um und sah mich wieder in diesem InterCity nach Hannover sitzen. Alles war so unwirklich. Ich konnte das noch immer noch glauben. Was tun? Ich war wie von Sinnen. Musste mich übergeben und lief auf die Zugtoilette. Widerlich, die sind immer so widerlich, diese fiesen Zugtoiletten.

Oder vielleicht lag das auch an mir.

Ich kam nach Hannover, stieg um in einen Zug nach Bremen, stieg wieder um, konnte zwischenzeitlich mein Handy laden, telefonierte weiter und unter uns Freunden konnten wir nach und nach irgendwie uns zusammen organisieren. Wir trafen uns noch abends bei mir, wer konnte, kam, und wer nicht konnte, schaltete sich von fern dazu. Und da sassen wir, die einen rauchend, die anderen trinkend. Schweigend. Die, die nicht da sein konnten, sassen vor Webcams, auf verschiedenen Monitoren dazugeschaltet, auf Messengern. Oder am Telefon. Was wäre man ohne die moderne Technik? Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Wir fragten uns, ob wir es hätten verhindern können. Schuldgefühlen wurden laut und lauter. Hätten wir es wissen müssen? Können? Sollen? Trifft uns eine Schuld? Hätten wir nicht genau wissen müssen, wie sehr K. unter der Trennung gelitten hat? Hätten wir nicht irgendwas tun können, um das zu verhindern? Haben wir uns, verdammt nochmal, wirklich genug gekümmert?

Wir heulen drei Kleenexboxen durch. Halten uns weinend aneinander fest und wissen noch nicht einmal, wo K. genau gestorben ist. Wo sein toter Körper jetzt ist. Wo seine Katze ist, wer das Tier versorgt. Und all das. Er hat keine Angehörigen und wir wissen nicht, wer sich um seine Beisetzung kümmern soll. Um seine Wohnung und um seine Sachen. Es muss sich doch jemand kümmern. Es ist am Abend zu spät, um irgendwas zu unternehmen und wir versuchen, irgend eine Lösung zu finden. Irgend jemand kommt auf die Idee, bei der Bahn anzurufen. Aber das ist zwecklos, da finden wir ja nicht einmal eine Telefonnumer. Auch ein Anruf bei der Kripo bleibt erfolglos, der Herr $Kripobeamter hat vermutlich längst Feierabend. Wir haben nicht einmal ein Aktenzeichen, ich habe vergessen, danach zu fragen.

Ich erinnere mich, dass er mir sagte, ich könne vielleicht über einen Anwalt eine Auskunft bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erfahren. Und dass das wohl Osnabrück sei. Also muss der Unfall im Zuständigkeitsbereich von Osnabrück passiert sein. Aber wieso? K. wohnt in Bremen. Immer schon. Ich spreche meinem Anwalt noch abends spät eine Nachricht auf seinen Anrufbeantworter und bitte um zeitigen Rückruf am frühen Morgen. Wer noch nach Hause fahren möchte, tut das. Die restlichen Leute verfrachten sich auf die Schlafmöglichkeiten, rollen sich zusammen. Ein Freund, der auf der Webcam ist, fragt, ob er die Cam eingeschaltet lassen kann über Nacht. Verrückt, irgendwie. Als ob man dadurch „zusammener“ sein würde. Wir lassen die Cam am Rechner eingeschaltet und irgendwie das Licht in der Wohnung an. Es ist mehr ein nächtliches Schweigen. Kein Schlafen. Ich sehe das Foto von meinem Mann an. Rede in Gedanken mit ihm und stelle mir vor, dass K. jetzt neben ihm auf der Wolke sitzt und hoffe, er erzählt meinem Mann von seinen Sorgen. Und hoffe, mein Mann legt ihm den Arm um die Schultern und tröstet ihn. Eine kindliche Vorstellung, aber die einzige, die ich zulassen kann in diesem Moment.

Gegen vier Uhr brechen die ersten auf zur Arbeit. Gehen gezwungenermaßen ihrer Wege. Ich melde mich krank, müsste eigentlich geschäftlich unterwegs sein, aber ich kann keinen Schritt machen. Mein Anwalt ruft um sieben Uhr an und ich schildere ihm das Geschehene. Er sagt, dass es schwer wird, Zugriff auf die Akten zu bekommen, weil ich nicht verwandt bin mit K. Aber es sei von Vorteil, dass die Kripo mich angerufen hat. Er verspricht, sich um alles zu kümmern und mahnt mich und uns zur Ruhe. Es würde sich sicher alles bald klären, so traurig und schmerzhaft alles sei. Wir könnten nichts mehr rückgängig machen.

Jetzt ist es Abend und die Staatsanwaltschaft will nicht so recht raus mit der Sprache, aber sie bräuchten jemanden, der Ansprechpartner ist. Sie hofft, dass sich noch ferne Angehörige finden, aber wir wissen, dass es diese nicht gibt. Wir möchten nicht, dass K. ein Sozialbegräbnis bekommt, sondern wollen, dass es einigermassen okay und schön wird für ihn. Vielleicht auch für uns. Wir haben oft über den Tod gesprochen und er hat so klare Vorstellungen gehabt, immer.

Und jetzt? Jetzt bleiben offene Fragen. Bei der Bahn gibt es keine Auskünfte. Auch keine Hilfestellung für Hinterbliebene oder Angehörige – oder gibt es sie doch? Weiss jemand darüber mehr? Beantwortet die Bahn generell Fragen zu Schienensuiziden?

Ich habe versucht, eine psychologische Betreuung für Suizidhinterbliebene zu finden, leider erfolglos. In Bremerhaven scheint es das nicht zu geben, gibt es sowas überhaupt, für akute Fälle? Hat jemand Erfahrung?

Muss man wirklich warten, bis die Ermittlungsakte vorliegt, um etwas über den Ablauf des Unfalls zu erfahren? Einen Obduktionsbericht wird es wohl kaum geben. Das Wort Unfall scheint mir hier überhaupt nicht richtig zu sein. Es ist ein Suizid. Eine Selbsttötung. Einen Abschiedsbrief hat es nicht gegeben. Wir wissen gar nichts. Nicht, ob die Staatsanwaltschaft in der Wohnung war, aber sie wird es wohl gewesen sein, und dann wird sie sich wohl auch um das Katervieh gekümmert haben, aber wo ist das, im Tierheim? Vermutlich. K. hat offensichtlich keinerlei Vorkehrungen für den Fall seines Todes getroffen. Mein Anwalt ist zwar auf allen Gebieten in solchen Dingen mit allen Wassern gewaschen, aber solche Fälle kommen da nun auch nicht allzu oft vor.

Wenn irgend jemand einen wirklich heissen Tip hat, bitte immer her damit. Wir sind alle ratlos.

Ich habe zwar selbst schon einmal in einem Zug gesessen, vor dem ein Mensch seinem Leben ein Ende setzte, aber das war etwas anderes.

Mein Bedürfnis, sich über das Thema Schienensuizid auszutauschen, ist unermesslich gross.
Wer auch immer damit einen Erfahrungswert herumschleppt und bereit ist, diesen mit mir zu teilen, möge sich melden. Es ist mir wirklich unendlich wichtig. Ich möchte mich keinesfalls ausheulen, sondern konkrete Fragen loswerden, die ich hier einfach nicht so global stellen kann.

Es reicht mir auch, wenn ich einfach Ansprechpartner oder Stellen genannt bekomme, die mir weiterhelfen können.

Kontaktmail: jacbhv@gmail.com

Danke im voraus.

Von der Kunst, einen Sitzplatz zu buchen

•18. November 2009 • 1 Kommentar

Wenn man sich im Online-Buchungssystem der Bahn ein wenig auskennt, weiss man, dass es einfach ist, einen Sitzplatz zu buchen. Man kann seine Vorlieben eingeben, ob am Fenster oder am Gang, ob im Raucher (igitt) oder im Nichtraucher (ja bitte), ob Handyzone oder Ruhebereich, all das kann man angeben. Aber man kann nicht angeben, welchen Wagen oder gar welchen konkreten Sitzplatz man haben möchte. Genau das aber wollte ich. Das möchte ich eigentlich immer, denn ich habe meine Präferenzen. Da bin ich eigen. Aber die telefonische Hotline, die sollte mir doch helfen können.

Dachte ich.

Als ich dort anrief, fiel mir auf, dass die Frau am anderen Ende der Leitung, genau die Dinge abfragte, die das Buchungssystem im Internet auch wissen möchte. Als wir zur Sitzplatzreservierung kamen, erläuterte sie mir, dass sie mir leider keinen konkreten Sitzplatz zusagen kann, und ich weiss sehr gut, dass die Mitarbeiter im Reisezentrum die Möglichkeit haben, dies nachzusehen. Ich habe so meine Lieblingsplätze im ICE 3 z.B. direkt hinterm Lokführer und auf einem Einzelplatz, da habe ich nämlich meine Ruhe und nicht so viel Durchgangsverkehr, ausserdem kann ich da ab und an mal nach vorne linsen.

Aber auch sonst sitze ich gerne vorne. Oder halt hinten, wenn man durch Frankfurt oder andere Kopfbahnhöfe durch ist, ist das ja meistens vorbei mit dem vorne sitzen. Ein Greuel ist mir der wunderbare Wagen 9, durch den alle Welt durch rennt, mit Bier, Kaffee, laut schnatternd und sich rücksichtslos benehmend, und ich finde, wenn man schon nachts, was ich in diesem Fall vorhabe, quer durch Deutschland gondelt, dann darf man sich seinen Sitzplatz schon aussuchen.

Die Dame am Telefon wollte oder konnte mir also nicht helfen. So kam ich also auch nicht weiter. Einen weiteren Anruf sparte ich mir, da die Anrufe dort kostenpflichtig sind und ich sowieso einige Tage später in diversen Reisezentren sein würde und dann eben vor Ort nachfragen würde.

Da ging der Spass dann erst richtig los.

Dass man in den Reisezentren jetzt Nummern ziehen muss, ist mir vor einiger Zeit schon ein wenig unangenehm aufgefallen. Irgendwie kommt mir das vor, als ginge es zumindest in dem Bereich der Bahn zurück zum Staatsbetrieb, und ich hatte auch nicht den Eindruck, als ginge das jetzt schneller, aber ich gebe zu, dass es auch sein kann, dass sich mir der tiefere Sinn des Nummernziehens einfach nicht erschliessen mag.

Als ich an der Reihe war, schilderte ich mein Anliegen und die Dame am Schalter sah mich verständnislos an. Es war ihr offenbar nicht möglich, mir meinen Wunschplatz zu buchen, ja, sie behauptete sogar, es sei nicht einmal möglich, eine Platzreservierung auszustellen, ohne zuvor ein Ticket verkauft zu haben (der grösste Blödsinn, den ich je gehört habe). Da ich aber nicht mit ihr diskutieren, sondern meinen Zug erwischen wollte, ging ich schmunzelnd und versuchte es ein paar Stunden später im Reisezentrum in Hannover noch einmal.

Beim ersten Mitarbeiter dort hatte ich wieder kein Glück, er sagte sofort, dies sei aufgrund des Programmes, dass die Mitarbeiter zur Verfügung haben, nicht möglich, man könne die Wagenreihung nicht einsehen und schon gar nicht die Platznummern. Ich habe ihm und mir und mir erspart, ihn darauf hinzuweisen, dass jeder durchschnittlich begabte Mensch in der Lage ist, sich die Wagenreihung und die Aufteilung der Plätze der ICE-Baureihen im Internet anzusehen und stellte mich ein weiteres Mal an. Auch der zweite Mitarbeiter wies mich lächelnd und ohne seinen PC überhaupt angefasst zu haben ab. Allmählich wurde ich säuerlich, denn ich weiss, dass es geht. Nur online geht es eben nicht. Muss es auch nicht, das Onlinesystem muss für alle Menschen bedienbar sein, aber ich erwarte, dass meine Wünsche im Reisezentrum erfüllt werden (so als jahrelanger BahnCard First-Inhaber).

Doch ich hatte noch Zeit für eine dritte Runde. Und siehe da, der dritte Mitarbeiter schaute in seinen PC, fragte mich konkret, ob ich bestimmte Wünsche hätte oder gar eine konkrete Platznummer und buchte diese für mich ein. Das ganze hat keine drei Minuten gedauert, da hatte ich meine Platzreservierung in der Hand.

Geht doch.
Dauert nur manchmal
Guter Service dauert eben.

;-)

(Ich werde nur so ungern für doof verkauft vorher.)

 
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